Nauru Detention Centre - Definition & Info (2004)

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Nauru Detention Centre - Definition, Info, Bedeutung, Erklärung von Nauru Detention Centre aus dem Lexikon

Das Nauru Detention Centre bezeichnet eine Institution von zwei Flüchtlingslagern auf dem pazifischen Inselstaat Nauru, betrieben von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) unter australischer Aufsicht. Beide Lager befinden sich in Meneng: Eines, Top Side genannt, befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Residenz des Staatspräsidenten; das andere, Top Side genannt, befindet sich auf dem Gelände des Menen Stadium.

Vorgeschichte

Am 27. August 2001 rettete Arne Rinnan, der Kapitän des norwegischen Frachters MS Tampa, 433 Flüchtlinge aus Afghanistan, Sri Lanka, Indien, Pakistan und Iran von einer sinkenden Fähre vor Indonesien. Daraufhin steuerte die MS Tampa die Weihnachtsinsel, ein australisches Außenterritorium, an, um die Flüchtlinge vorübergehend an Land zu setzen. Vor der Weihnachtsinsel enterten australische Soldaten den Frachter und verhinderten so ein Anlegen des Flüchtlingssbootes in Flying Fish Cove, dem Hauptort der Insel. Damit umging der Australische Bund, daß die Flüchtlinge australischen Boden betreten, was automatisches Recht auf Asylprüfung gewährt hätte. Fünf Tage umfährt die MS Tampa die Weihnachtsinsel.

Das Verhalten der australischen Regierung löste weltweit Kritik aus. UNO-Generalsekretär erklärte, dies sei keine Art mit Flüchtlingen umzugehen. Der norwegische Außenminister Thorbjörn Jagland warf Australien vor, die Flüchtlingskonvention der Vereinten Nationen zu untergraben. Am 2. September verkündete der australische Premierminister John Howard die Pacific Solution (pazifische Lösung) für den Umgang mit den Bootsflüchtlingen: Anstatt sie an der Weihnachtsinsel an Land zu lassen, sollten die 433 Flüchtlinge nach Neuseeland und nach Nauru verbracht werden.

So hatte der Australische Bund am 4. September mit den Regierungen der beteiligten Pazifikstaaten eine Übereinkunft zur Lösung des Flüchtlingsdramas erzielt: 283 Flüchtlinge werden von Nauru und 150 von Neuseeland aufgenommen. Der Präsident der Republik Nauru, RenĂ© Harris, sah seinen Staat in der Lage, die illegalen Einwanderer vorübergehend aufzunehmen. Sein Volk sei gastfreundlich, und für die Errichtung provisorischer Unterkünfte sei schon ein Platz gefunden worden, sagt er. Auf Nauru standen zudem zehn Häuser leer, die eigentlich die Teilnehmer an der Weltmeisterschaft im Gewichtheben beherbergen sollten, die im Dezember 2000 abgesagt wurde. Am 20. September 2001 erreichten die 283 vorwiegend afghanischen Flüchtlinge die Insel Nauru und wurden in die zwei Flüchtlingslager gebracht. Zu diesen kamen im späteren Verlaufe noch einige Iraker hinzu.
Die Flüchtlinge in Nauru

Am 10. April 2002 wurden rund 250 afghanische Asylbewerber nach einem Ausbruchsversuch aus einem Flüchtlingslager festgenommen und ins Lager zurück gebracht. Hintergrund der Unruhen waren Berichte, nach denen nur 7 der 292 afghanischen Asylsuchenden als Flüchtlinge im Sinne der Vereinten Nationen anerkannt werden sollten.

Unruhen wie diese ließen immer wieder die Kritik aufkommen, die Flüchtlinge würden nicht gut behandelt. Die nauruischen Parlamentarier Kieren Keke und David Adeang betonen jedoch, die Flüchtlinge würden mehrmals täglich warme Mahlzeiten und bestmögliche ärztliche Versorgung erhalten. Sie hätten sogar einen höheren Lebensstandard als die meisten Nauruer. Da seit Januar 2004 keine australischen Ärzte die Flüchtlingslager besuchen dürfen, übernehmen diese Aufgabe die wenigen nauruischen Ärzte unter Leitung von Kieren Keke.

2001 wurde das Berufsausbildungszentrum von nauruischen Staatsbürgern niedergebrannt, um gegen die Flüchtlingslager und die politischen Handlungen von Präsident RenĂ© Harris zu demonstrieren. Nauru falle dadurch negativ auf als Gefängnis für unerwünschte Asylanten. Jedoch wird Nauru für die Haltung der Flüchtlinge vom Betreiber Australien fürstlich entlöhnt, und diese Zahlungen sind zur Zeit Naurus einzige finanzielle Einkommen; ohne diese Zahlungen könnte die Infrastruktur des Inselstaates nicht funktionieren und Nauru wäre endgültig bankrott. Die Zahl der Flüchtlinge ist jedoch stetig am Sinken, da nun zunehmend mehr Flüchtlinge als legal anerkannt werden.

Im Juni 2004 versuchten australische Menschenrechtsaktivisten mit der Flotilla of Hope, Aufmerksamkeit mit einer Reise einiger Jachten zu den Flüchtlingen in Australien zu erregen. Da es eine nicht bewilligte Aktion war, wurden die Jachten wenige hundert Meter vor der nauruischen Küste aufgefordert, umgehend die nauruischen Hoheitsgewässer zu verlassen. Die Jachten hatte Geschenke für die Flüchtlinge an Bord, welche sie aber nicht abgeben konnten. Im September 2004 kehrte die Flotilla of Hope nach Cairns zurück, kündigte zuvor aber weitere Aktionen an.

Am 9. September 2004 erhielten 21 Flüchtlinge in Neuseeland Asyl. Deshalb wird das nördliche Flüchtlingslager Top Side in Anabar geschlossen. Die übrigen etwa 90 Flüchtlinge verbleiben momentan noch im südlichen Lager State House in Meneng.