PRESSEMITTEILUNG: Hungerstreik im Abschiebegefängnis Berlin/Köpenick

(Berlin, den 29.4.2005)

Initiative gegen Abschiebehaft/Antirassistische Initiative e.V.

Proteste richten sich vor allem gegen die langen Haftzeiten und
Misshandlungen

Aktuell 16 Männer verweigern seit dem 18. April in der Abschiebehaft in der Grünauer Straße jegliche Nahrungsaufnahme, um sich gegen die
"unmenschliche Behandlung" in dem Gefängnis zu wehren. Sie protestieren damit gegen
die langen Haftzeiten ohne Entscheidung und gegen schlechte Behandlung und Übergriffe durch Polizeibeamte.

Ein Anlass für den Beginn des Hungerstreiks war der Übergriff auf einen
Häftling am 16. April 2005. An diesem Samstag sollte eine ganze Etage
von
der 6. in die 5. verlegt werden. Um 8:30 Uhr stürmten die Beamten in
die
Zellen, in denen die Leute noch schliefen. Ein Palästinenser aus dem
Libanon
sagte zu einem Beamten, dass er bereit sei zu gehen, sich aber vorher
das
Gesicht waschen wollte. Als er in die Richtung des gegenüberliegenden
Badezimmers gehen wollte, griff der Beamte seinen linken Arm, drehte
ihn am
Handgelenk auf den Rücken und stieß ihn mehrmals mit dem Kopf gegen die
Wand. Der Gefangene wurde ärztlich untersucht. Dabei wurde ein
angebrochener
Finger, eine Verstauchung des Handgelenkes, eine Platzwunde an der
Stirn und
diverse Schwellungen und Prellungen festgestellt. Der Verletzte hat
Anzeige
erstattet.

Ein weiterer Grund für den Hungerstreik sind die langen und
unabsehbaren
Haftzeiten. Eine Haft wird normalerweise für drei Monate seitens der
Ausländerbehörde beantragt, kann dann aber immer wieder (bis zu 18
Monaten)
verlängert werden. Für die Häftlinge ist dadurch völlig unklar, wie
lange
sie inhaftiert werden, zumal sie keine Infos über den Stand ihrer
Verfahren
bekommen.

Im Verlauf des Hungerstreiks kam es auch zu mehreren
Selbstverletzungen.
Seitens der Polizei wurde versucht, durch Verlegungen einiger
Hungerstreikender den Streik zu brechen. Einzelne Beteiligte wurden in
Isolationshaft genommen.

Am Dienstag, den 26.4. fand von 20:00 bis 22:30 zusätzlich eine Razzia
auf
der Etage III/1 statt. Dabei mussten sich die Hungerstreikenden sowie
alle
Männer arabischer Herkunft nackt ausziehen und wurden ohne Rücksicht
auf die
Intimsphäre penibel untersucht, während ihre Zellen völlig verwüstet
wurden.
Die Gefangenen haben dies als besonders demütigend erfahren ("Keine
Ehrfurcht vor Niemand" "Was ist das für ein Land").

Die Perspektivlosigkeit der Situation, die Ungewissheit über die Dauer
der
Inhaftierung, die menschenunwürdige Behandlung und die Angst vor der
Rückkehr in das Herkunftsland schaffen ein Klima der Hilflosigkeit,
Frustration und Verzweiflung. Hungerstreiks, Selbstverletzungen und
Suizidversuche sind in der Berliner Abschiebehaft an der Tagesordnung.
Wir
als Antirassistische Initiative und die Initiative gegen Abschiebehaft
unterstützen die Forderung der Inhaftierten. Wir fordern ein Ende des
Abschiebehaftsystems.

Weitere Informationen bei

Initiative gegen Abschiebehaft: Lucie Oberschmidt (030/29352258), Kai Köhne (0172/4991476)

Antirassistische Initiative: 030/7857281

www.abschiebehaft.de