Anti-Lager-Action-Tour in Mecklenburg-Vorpommern (25.9.2005): deutsche version
Anti-Lager-Action-Tour in Mecklenburg-Vorpommern
gegen früheres Militärlager, Containerlager, Dschungel-Heime, Unterdrückungscamps und Abschiebehaft
Letztes Jahr reiste die Anti-Lager-Tour für 17
Tage in verschiedene deutsche Bundesländer:
für globale Bewegungsfreiheit, gegen Grenzen,
Deportationshaft, Unterdrückungs-Camps,
Dschungelheime, gesellschaftlichen Ausschluss,
Isolation, Ungerechtigkeit. Das war
eine gute Sache, denn wir waren erfolgreich:
eines der anvisierte Lager wurde geschlossen,
ein neues Lager wurde nahe dem Zentrum der
Landesregierung gebaut, die Flüchtlinge wurden
umgesiedelt, einige davon in private Wohnungen,
einige legalisiert, viele andere wurden
im neuen Lager untergebracht mit verbesserten
Infrastrukturen, ein Heimrat wurde gebildet,
Integrationen und Begegnungen begannen,
die Isolation verschwand, und die
Umgebung und die Stimmung sehen freundlicher
aus.
Die unzivilisierte und undemokratische Praxis
der Bundesländer wurde in die öffentliche
Aufmerksamkeit gebracht. Flüchtlinge und Migranten
wussten, dass sie nicht allein gelassen waren,
und dass sich einige Menschen weiterhin Sorgen
machen über die schlechter werdende Situation
in anderen Gegenden. Neue Flüchtlinge
wurden aktiv. Viele Organisationen der
Flüchtlinge und Migranten wurden gegründet
und begannen in ihren Gebieten mit weiteren
Aktionen. Mit den Flüchtlingen und Migranten
in Mecklenburg-Vorpommern muss
man nun rechnen. Viele von ihnen schufen
Kontakte während der Anti-Lager-Tour. Im
vorigen Jahr, sie taten etwas, um ihre Lage
und Lebensbedin-gungen zu verbessern.
2004 besuchte die Anti-Lager-Tour nur ein
Unterdrückungslager in Mecklenburg-Vorpommern
- Tramm, aber am 24./25. September
2005 werden wir von Bramsche aus nach
Mecklenburg-Vorpommern aufbrechen und
zwei Lager besuchen, evt. drei. Die drei Lager
sind: das frühere Militär-Lager in Ribnitz-Damgarten-
Saal, das Unterdrückungslager in Retschow
und das Container-Lager in Schwerin.
Schwerin (Wohnheim Görries):
Dieses ist Symbol des Extremismus, der Intoleranz,
der Abschottung und Ungerechtigkeit
im Land Mecklenburg-Vorpommern. Görries
sind "die absoluten Container", wo die Flüchtlinge
und Migranten wie Gegenstände,
die auf den Abtransport warten, eingelagert
sind. Während des Zusammenbruchs des
Nazi-Regimes, als die russischen Soldaten
1945 Berlin/Brandenburg eroberten, brachten
die Nazis alle ihre KZ-Gefangenen nach
Schwerin (der "Todesmarsch"), und dass
Schwerin die Sache der Gefangenen bis heute
nicht abgeschlossen oder die Schuldigen
zur Rechenschaft gezogen hat. Doch heute
sperrt Schwerin Flüchtlinge und Migranten in
Container. Die Behörden in Schwerin und
Mecklenburg-Vorpommern haben Stellung zu
beziehen gegen Rassismus, Extremismus, Ungerechtigkeit,
Mangel an Demokratie, Intoleranz,
Lager, Isolation, Grenzen und Unterdrückung.
Aus diesem und anderen Gründen rufen
die Flüchtlinge und Migranten in Schwerin
auf zur Anti-Lager-Tour.Gemeinsam mit der
"Karawane für die Rechte der Flüchtlinge
und Migranten"und Sympathisanten rufen
sie auf zur Solidarität, um gegen die Situation
und die Lebensbedingungen in den Lager-
Containern anzugehen. Die Klagen in der
Vergangenheit rissen nicht ab: Im Sommer
sind die Container sehr heiß und im Winter
sehr kalt, die niedrigen Decken, die Örtlichkeit,
die Lebensbedingungen, die Insektenstiche,
die das Leben schrecklich machen, die
radikalen und systematischen Deportationen,
die Abschottung und Isolation in diesem
Container-Lager. Dieses System sollte nirgends
erlaubt sein - weder in Mecklenburg-
Vorpommern noch sonst wo.
Ribnitz-Damgarten-Saal
(früheres Militärlager)
Hier sieht die Situation noch schrecklicher
aus. Es handelt sich um ein Marine-Lager mit
großen Mengen an militärischen Hinterlassenschaften,
die schlaflose Nächte bei den Flüchtlingen
erzeugen. Das Lager ist im Osten und
Norden vom Meer umgeben, im Westen von
hohen Zäunen und Mauern mit Verbotsschildern,
mit Bunkern und unbekanntem militärischen
Abfall. Im Süden ist Ackerland und eine
kleine Straße zum Hof. Viele Flüchtlinge
sind traumatisiert, viele sind krank und hilflos,
alle leben in Angst, alle möchten in einen anderen
Landkreis oder ein anderes Land umgesiedelt
werden, wo ihre Würde und Rechte
als Menschen respektiert werden. Viele beschweren
sich über einen Sozialarbeiter in
ihrem Heim, über das Sozialamt, die Ausländerbehörde,
das System im Staat, die Unterdrückung
und Abschottung, Ungerechtigkeit,
schlechte Infrastruktur. Die Elektrizität wird
um 10 Uhr abends abgeschaltet. ”Wir sind
nicht sicher," sagten einige Flüchtlinge, denn
auch Nazis gibt es in der Gegend. Auch gibt
nur einen einzigen einigermaßen erreichba-
ren Supermarkt in der Stadt, der sehr teuer
ist. "Wir haben uns bei unserer Behörde und
beim Sozialamt beschwert, die aber sagten,
sie können uns nicht helfen, sie haben kein
Geld. Wir fragten, wie es in Rostock und anderen
Landkreisen im Land sei, denn wußten,
das dort andere Bedingungen herrschen. Die
Behörden und das Sozialamt sagten, dort
gebe es Geld, aber hier eben nicht." Deswegen
und aus anderen Gründen wollen die
Flüchtlinge, die in Ribnitz-Damgarten-Saal
leben, eine sofortige und bedingungslose
Schließung dieses Ex-Nazi-Militär-Camps, das
"Flüchtlingsheim" genannt wird, und die sofortige
Umsiedlung aller Flüchtlinge in einen
anderen Landkreis, oder möglichst in ein anderes
Bundesland, wo ihre Freiheit und Rechte
respektiert werden. Um ihre Wünsche, Widerstände
und Rechte zu unterstützen, appelieren
alle Aktivisten im Land Mecklenburg-
Vorpommern an die Regierung, dieses Ex-
Militär-Camp sofort zu schließen.
Boizenburg-Horst:
Ursprünglich war dieses
ein Auffanglager für Flüchtlinge und Migranten.
Doch nun? Es ist eines der schlimmsten
Unterdrückungs- und Deportationscamps sowie
Abschiebeknast für Flüchtlinge und Migranten.
Man fragt sich, was Demokratie und
Toleranz sind, wenn die staatlichen Behörden
Deportation, Pseudo-Euro, Residenzpflicht
und das Lagersystem als "Menschenrecht”
betrachten. Frühere Legalisationen wurden
wieder in Frage gestellt. Leute, die zehn oder
mehr Jahre hier waren, und Leute mit Duldung
werden gezwungen, in das Deportations-
Camp in Boizenburg zu gehen. Dort sollen
die Flüchtlinge und Migranten bleiben bis
sie aufgeben und sich für die so genannte
freiwillige Rückkehr oder Deportation entscheiden.
Das Land Mecklenburg-Vorpommern
stationierte eine Spezial-Polizei-Truppe
in dem Lager, um tägliche Unterdrückungen,
Verhaftungen, Beleidigungen, Residenz-Kontrollen
im Haus durchzuführen und schließlich
- als die schärfste Form des Rassismus- die
Deportation. Die "Demokratie" versagt hier.
Das zeigt die Verbrechen gegen die Ausländer
in diesem Staat.
Retschow (nahe Bad Doberan)
In diesem
Unterdrückungs-lager ist die Atmosphäre auf
dem Siedepunkt. Alle Insassen sind der Meinung,
dass das Lager unbedingt geschlossen
werden muss. Die Leute fühlen sich unsicher
in den Straßen von Bad Doberan, Nazi-Attacken
nehmen überhand, die sanitären Bedingungen
sind katastrophal, die Infrastrukturen
sind zerfallen, keine Busverbindung an Wochenenden,
keine Kontakte mit den Menschen
in diesem Gebiet, keine Eingliederung,
die Gesundheitsbedingungen sind gleich Null,
in manche Räume teieln sich zehn Bewohner,
und alle Flüchtlinge, die in Retschow leben,
sind traumatisiert aufgrund dieser Situation
und der Lebensbedingungen. Es gab schon
viele Treffen im Lager. Die verantwortlichen
Behörden wurden informiert, die Behörden
haben ein Komitee geschickt um die Not zu
untersuchen. Dieses ist aber Medizin nach
dem Tod, denn kein Flüchtling hat noch Lust
auf das Lager. Bei einer anderen schweren
Entwicklung organisierten und vereinigten
sich die Flüchtlinge in Retschow und schikkten
einen Brief an die verantwortlichen Behörden
um ihre Wünsche zu erläutern. Als
Reaktion haben die Behörden in Bad Doberan
die Flüchtlinge ihren Arger spüren lassen.
Furcht hat alle Flüchtlinge ergriffen, und sie
haben nun Angst, sich an den Aktionen
gegen den Landkreis und das Land zu beteiligen.
Einige Flüchtling stellten die Sache klarer,
indem er sagte, die Behörden schließen
alle gut gelegenen Heime im Land, was bedeutet,
dass die Insassen in das Unterdrückungs-
Lager Retschow und in andere, ähnlich
schlimme Lager in diesem Land umgesiedelt
werden. In ihrer Logik kann Retschow
nur geschlossen werden, wenn alle von uns
Flüchtlingen deportiert worden sind, und nun
erwarten wir alle die Deportation.
Die wahre Lage: Isolation, Unterdrückung
und Missbrauch der Rechte haben in den
letzten Wochen in Retschow, Bad Doberan
und anderswo in Mecklenburg-Vorpommern
zugenommen. Bosheit, Extremismus, Intoleranz,
Ausschluss, Beleidigungen und Ungerechtigkeit
sind zu Alltäglichkeiten für die
AusländerInnen in diesem Land geworden.
Das darf nicht so weitergehen. Wegen dieser
und vieler anderer Gründe verlangen alle
Flüchtlinge und Migranten im Land Mecklenburg-
Vorpommern und Ihre Unterstützer das
Folgende:
Bedingungslose Schließung des früheren
Militär-Camps in Ribnitz-Damgarten-Saal,
des Container-Lagers in Schwerin, des
Deportations-Lagers In Boitzenburg-Horst und
des Unterdrückungslagers in Retschow in Bad
Doberan
Umsiedlung aller Insassen in bessere
Gegenden
STOP für Deportation, Residenzpflicht-
Kontrolle, Gutscheine, Isolation,
Unterdrückungen, Ungerechtigkeiten und
Illegalisation, für gesellschaftliche
Ausschlüsse, Separatismus und Grenzen
Legalisation, Arbeitserlaubnis und
Freiheit für alle.
In der Vorbereitung auf die zweite Anti-Lager-
Tour werden wir die Erfahrungen mit den
Polizei-Attacken auf die letzjährige Tour
berücksichtigen. Mecklenburg-Vorpommern
hat eine lange Geschichte der Misshandlung
von Ausländern. Bald, im Jahre 2007 wird der
G8-Gipfel in Heiligendamm in Mecklenburg-
Vorpommern stattfinden, und der
Repressionsapparat läuft an. Aber auch die
Flüchtlinge, Migranten und ihre Unterstützer
bauen Verbindungen auf, Kontakte und
Widerstandsbewegungen auf der ganzen
Welt gegen den Staat und sein System.
Manche Flüchtlinge und Migranten haben
bereits bezahlt für den kommenden G8-
Gipfel in Mecklenburg-Vorpommern, zum
Beispiel durch:
- beschleunigte Ablehungn von
Asylanträgen
- fast alle Flüchtlinge erwarten ihre
Deportation
- alle Flüchtlinge, die nah an der Zone des
G8-Treffens in leben, werden umgesiedelt in
noch schlimmere Lager, wo sie niemals wahrgenommen
werden können
- während des G8-Treffens werden die
Residenz-Gesetze verstärkt
- Attacken gegen Aktivisten drohen nun
ebenso wie Deportationen - einfach um die
Organisationen der Flüchtlinge und
Migranten zu schwächen
In Hinsicht auf die Rechte der Flüchtlinge und
Migranten und der Unterstützung ihres
Widerstandes will die Anti-Lager-Tour
Mecklenburg-Vorpommern am 24. und 25.
September 2005 besuchen und 2 Tage
Aktionen machen. Für 2007 erwarten die
Flüchtlinge und Migranten und ihre
Unterstützer mehr als 20.000 Protestierer aus
der ganzen Welt in Mecklenburg-
Vorpommern, aber vorher, nachher und während
des G8-Treffens werden die Flüchtlinge
und Migranten fortfahren, ihre Widerstände
aufzubauen, um ihre Probleme in die Öffentlichkeit
zu bringen. Willkommen auf der
Anti-Lager-Tour und willkommen bei der
Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie,
Menschenrechten in Mecklenburg-
Vorpommern.
Kontakt: Akubuo A. C,
Telefon: 0174 370 80 01
