Presse: NoLager-Aktion in Neuburg (vor 24.9.)
Neuburger Rundschau, 22.09.2005
Protestmarsch vom Lager in die Stadt
Am Samstag Demonstration und Kundgebung der Asylbewerber Bayerischer Flüchtlingsrat unterstützt Aktion
Von unserem Redaktionsmitglied Harald Jung
Die Menschen im Neuburger Flüchtlingslager gehen an die Öffentlichkeit, um die Bürger der Stadt auf die nicht nur ihrer Meinung nach völlig unzureichenden Verhältnisse im Lager an der Donauwörther Straße aufmerksam zu machen. Wie bereits ausführlich berichtet, haben einige Dutzend Asylbewerber einen Protestbrief an die Regierung von Oberbayern verfasst. Nachdem keine Reaktion zur Verbesserung der Situation erfolgt ist, kommt es nun am Samstag zu einer großen Kundgebung.
Unterstützt wird die Aktion vom Bayerischen Flüchtlingsrat, der seinen Sitz in München hat. Matthias Weinzierl ist einer der Geschäftsführer der Organisation, die sich um die bayerischen Lager und die vielen damit verbundenen Einzelschicksale kümmert. Weinzierl war in den vergangenen drei Monaten mehrfach in Neuburg, um sich selbst von den Missständen zu überzeugen und Einzelgespräche mit den Bewohnern zu führen. Er kann die Kritik der Menschen aus beinahe aller Herren Ländern absolut verstehen, denn er hat mit eigenen Augen gesellen, was von offizieller Seite - unter anderem zuletzt auch in einer Presseerklärung der Regierung von Oberbayern an unsere Zeitung - bestritten wird. Darüber hinaus ist der Geschäftsführer des Flüchtlingsrates völlig überrascht, ódass in Neuburg ein so großes Lager zwar fast im Zentrum liegt, aber dennoch so absolut isoliert ist von der Stadt und dem Leben darin.
Eben in diesem Punkt sieht der Bayerische Flüchtlingsrat eine gute Ansatzmöglichkeit, denn inzwischen werden in Neuburg Menschen gesucht, die den Lagerinsassen beistehen und helfen wollen. Sei es durch kleine materielle Hilfen oder aber durch ódeutschsprachige Begleitung beispielsweise bei Behördengängen oder Arztbesuchen. óEs hilft oft schon sehr viel, wenn die Leute im Lager halbwegs regelmäßig Besuch von Deutschen bekommen... weiß Weinzierl aus guter Erfahrung von großen Lagern im Münchener Gebiet. Dem Flüchtlingsrat ist bei allen Maßnahmen an Nachhaltigkeit gelegen. Auch, was die eigene Initiative anbelangt: Wir gehen da nicht hin, um schnell mal was zu tun und uns dann nicht mehr dort sehen zu lassen", verspricht Weinzierl eine dauerhafte Betreuung für das Lager Neuburg.
5000 Flugblätter verteilt
Bei der Demonstration am Samstag will man die Neuburger Bevölkerung wachrütteln und auf die Situation im Lager aufmerksam machen. In Vorbereitung dieser Kampagne wurden in den vergangenen Tagen 5000 Flugblätter unter dem Titel óNeubürger Nachrichten - Neues von ihren Nachbarn im Innenstadtbereich verteilt. Darin schildern Lagerbewohner ihre Lebensverhältnisse und üben massive Kritik an der Wohnsituation oder der Behandlung durch behördliche Stellen. Es sei kein Problem gewesen, Betroffene zu finden, die sich trauten, die Missstände so öffentlich aufzuzeigen. óDie haben alle gesagt: óWir haben ja nichts mehr zu verlieren...
Das Flugblatt zeigte bereits Wirkung. Nicht nur Pfarrer Gerhard Steiner von der Christuskirche habe inzwischen seine Unterstützung zugesagt, auch weitere Privatpersonen hätten sich gemeldet, und angefragt, wie man helfen könne. Darüber hinaus hätten inzwischen auch caritative Stellen den Kontakt gesucht, freut sich Weinzierl über den ersten guten Ansatz. Der Bayerische Flüchtlingsrat und die Menschen im Lager hoffen, bei der Kundgebung am Samstag weitere Mitstreiter zu finden. Der Demonstrationszug setzt sich um 11 Uhr in Bewegung, etwa gegen 12 Uhr wird dann eine Kundgebung am Schrannenplatz oder am Spitalplatz stattfinden. Dort sprechen neben Matthias Weinzierl auch einige Flüchtlinge, um den Zuhörern ihre Lebensverhältnisse im Lager zu schildern.
Bereits an Vorabend findet für die Flüchtlinge im Versammlungsraum der Christuskirche eine Informationsveranstaltung statt, zu dem auf Einladung des Flüchtlingsrates auch eine Fachanwältin für Ausländerrecht aus München kommen wird. óViele Menschen im Lager in Neuburg wissen überhaupt nicht über die juristischen Hintergründe ihres Aufenthaltes Bescheid'", begründet Weinzierl die Notwendigkeit umfassender Aufklärung zur Rechtslage.
Ob die Protestkundgebung Verbesserungen im Lager nach sich ziehen wird, steht freilich in den Sternen. Die Regierung von Oberbayern hat bekanntlich erklärt, dass dazu keinerlei Notwendigkeit bestehe. Der bayerische Flüchtlingsrat bedauert diese Einschätzung. óUnlängst haben wir für ein Lager in Landshut was gemacht und da hat die Regierung von Niederbayern sofort reagiert," so Matthias Weinzierl.
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Augsburger Allgemeine, 22.09.2005
Flüchtlingsrat ruft zur Demo
Missstände im Lager Neuburg bisher vergeblich angeprangert
Neuburg (haju) Der Bayerische Flüchtlingsrat organisiert am Samstag in Neuburg eine Demonstration. um auf die Missstände im dortigen Flüchtlingslager hinzuweisen. Seit Wochen prangert die Organisation vergeblich die unzureichenden Lebensverhältnisse für die rund 400 Bewohner an.
Die Asylbewerber und Flüchtlinge aus vielen Ländern hatten Mitte August in einer Unterschriftenaktion auf mangelhafte Versorgung und gravierende bauliche sowie organisatorische Mängel in dem Sammellager aufmerksam zu machen versucht. Unter anderem wurde das Fehlen von nach Geschlechtern getrennten Sanitäranlagen angeprangert und von Pilzbefall an Wänden und Böden berichtet. Die Essensrationen blieben oft aus. Die Regierung von Oberbayern hat die Vorwürfe als unbegründet zurückgewiesen.
Matthias Weinzierl als Geschäftsführer des Bayerischen Flüchtlingsrats mit Hauptsitz in München bestätigte gegenüber unserer Zeitung allerdings dis Vorwürfe der Menschen im Lager. Der Flüchtlingsrat hat inzwischen 5000 Flugblätter in der Stadt verteilt, um die Bevölkerung wachzurütteln. Das Sammellager liege zwar fast mitten in der Stadt, sei aber trotzdem isoliert, so Weinzierl. Am Samstag wird sich ein Protestzug vom Lager in die Innenstadt formieren. Bei einer Kundgebung wollen die Betroffenen ihre Lebensverhältnisse schildern.
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Bayerischer Flüchtlingsrat, res publica, Karawane München, Pressemitteilung, 22.09.2005
"Wir Flüchtlinge wollen fair und gerecht behandelt werden"
Unter diesem Motto demonstrieren am 24.09.2005 ab 11 Uhr Flüchtlinge, Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen gegen
die menschenunwürdigen Lebensbedingungen in einem der größten bayerischen Flüchtlingslager in Neuburg an der Donau
"Was soll ich meinen Kindern zum Essen geben, was?" fragt die junge Mutter Elvisa Bakic entsetzt, nachdem ihr die Lagerverwaltung eine Woche lang die Lebensmittelpakete für sie und ihre drei kleinen Kinder vorenthalten hat. Sie und fast 100 ihrer Leidensgenossen haben mit einem bundesweit einmaligen Hilferuf den Hohen Flüchtlingskommissar der vereinten Nationen, Amnesty International und Pro Asyl um Unterstützung gebeten und darin angekündigt, dass sie ihre "Rechte als Flüchtlinge zu verteidigen entschlossen sind, sollten unsere bescheidenen Wünsche unberücksichtigt und unerfüllt bleiben".
Mit einer Demonstration wollen die Flüchtlinge ihre Neuburger Nachbarn auf ihre Notsituation aufmerksam machen, unterstützt durch den Bayerischen Flüchtlingsrat, die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen und die Menschenrechtsorganisation res publica. Sie haben sich dazu den 24.09.2005 ausgewählt, den europaweiten Aktionstag gegen Flüchtlingslager (www.nolager.de), zu dem auch das Komitee für Grundrechte und Demokratie (www.grundrechtekomitee.de) aufgerufen hat.
Die Auftaktkundgebung beginnt um 11 Uhr auf dem Parkplatz neben dem Sammellager für Flüchtlinge in der Donauwörther Str. B 82. Im Anschluss führt die Demonstration durch die Neuburger Innenstadt zum Spitalplatz, wo gegen 13 Uhr die Abschlusskundgebung stattfinden wird.
Im Verlauf stehen Flüchtlinge sowie VertreterInnen der sie unterstützenden Organisationen für Interviews bereit.
Für Rückfragen und Interviewwünsche wenden Sie Sich bitte an:
Miriam Leitner Bayerischer Flüchtlingsrat 089 - 76 22 34
Alexander Thal res publica 089 - 26 02 52 99
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Donaukurier (Ingolstadt und Neuburg), 23.09.2005
Flüchtlinge wollen auf Notsituation aufmerksam machen
Neuburg (e) "Was soll ich meinen Kindern zum Essen geben, was?", fragte die junge Mutter Elvisa Bakic entsetzt, nachdem ihr die Lagerverwaltung in Neuburg eine Woche lang die Lebensmittelpakete für sie und ihre drei kleinen Kinder vorenthalten hat. Diese Szene schildern die "Neubürger Nachrichten", eine Zeitung, die in einer Auflage von 5000 Stück in dieser Woche kostenlos an Haushalte in Neuburg verteilt wurde, und in der die Bewohner des Asyllagers in der Donauwörther Straße von ihren Lebensumständen erzählen.
Unter dem Motto "Wir Flüchtlinge wollen fair und gerecht behandelt werden" demonstrieren am morgigen Samstag, 24. September, ab 11 Uhr in der Neuburger Innenstadt Flüchtlinge, Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen gegen die ihrer Meinung nach menschenunwürdigen Lebensbedingungen in der Neuburger Gemeinschaftsunterkunft , einem der größten Flüchtlingslager in Bayern.
Die Bosnierin Bakic und fast 100 andere Flüchtlinge haben einen Protestbrief unterzeichnet und mit einem bundesweit einmaligen Hilferuf den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR), Amnesty International und Pro Asyl um Unterstützung gebeten und darin angekündigt, dass sie ihre "Rechte als Flüchtlinge zu verteidigen entschlossen sind, sollten unsere bescheidenen Wünsche unberücksichtigt und unerfüllt bleiben".
Kritikpunkte sind vor allem "die qualitativ ungeeignete und quantitativ nicht ausreichende Verpflegung in Form von Essenspaketen", "die ständige Kriminalisierung und das Strafbarmachen von der Seite der Behörde, für alles, was wir tun" sowie die Lebensbedingungen in der alten Lassigny-Kaserne.
Die Mehrheit der Flüchtlinge lebt in vier zweistöckigen Baracken. Jeweils etwa 50 Personen teilen sich pro Etage die 18 Zimmer. Der Schimmel wuchert an den Wänden. Niemand im Lager versteht, weshalb Menschen, die in Deutschland Schutz vor V erfolgung und Krieg suchen, zu einem derart menschenunwürdigen Leben gezwungen werden.
Mit der Demonstration wollen die Flüchtlinge die Bevölkerung, also ihre Neuburger Nachbarn, auf ihre Notsituation aufmerksam machen. Unterstützt werden sie durch den Bayerischen Flüchtlingsrat, die Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen und die Menschenrechtsorganisation res publica. Die Flüchtlinge haben sich dazu den morgigen Samstag ausgewählt, den europaweiten Aktionstag gegen Flüchtlingslager, zu dem auch das Komitee für Grundrechte und Demokratie aufgerufen hat.
Die Auftaktkundgebung beginnt um 11 Uhr auf dem Parkplatz neben dem Sammellager für Flüchtlinge in der Donauwörther Straße. Im Anschluss führt die Demonstration durch die Neuburger Innenstadt zum Spitalplatz, wo gegen 13 Uhr die Abschlusskundgebung geplant ist.
