Neue Osnabrücker Zeitung, 3. März 2006
Asylbewerber gegen Lagerleben. Bewohner von Hesepe demonstrierten
Bewohner des Aufnahmelagers Bramsche-Hesepe haben am Donnerstag in Hannover gegen die Bedingungen in ihrer Einrichtung protestiert und erneut die Auflösung des Lagers gefordert.
Mit Transparenten zogen rund 100 Lagerbewohner und Unterstützer vom niedersächsischen Flüchtlingsrat und vom „No-Lager-Netzwerk“ zum Innenministerium, wo sie einen von 183 Flüchtlingen unterzeichneten Protestbrief überreichten. Eine Delegation traf sich ferner mit Landtagsabgeordneten im Leineschloss.
Die Demonstranten forderten wie bei früheren Veranstaltungen, das Lager mit 500 Bewohnern aufzulösen und sie dezentral unterzubringen. Die Flüchtlingsorganisationen warfen der Landesregierung vor, Asylbewerber durch zwangsweise Unterbringung in Lagern zu isolieren und zur „freiwilligen Ausreise“ zu nötigen.
Heftige Kritik wurde auch in den Verhältnissen in Bramsche-Hesepe geübt. So hieß es, die Versorgung mit Essen sei ungenügend, auch in der medizinischen Betreuung gebe es schwer wiegende Mängel. Dringend verbessert werden müsse zudem die Wohnsituation; zum Teil müssten sich ganze Familien einen Raum teilen.
Weitere Beschwerden richteten sich gegen eine nicht ausreichende Unterrichtung von Kindern sowie gegen einen Mangel an Übersetzern. Als Problem wurde überdies Drogenkonsum im Lager eingestuft.
Die Zentrale Aufnahme- und Ausländerbehörde in Oldenburg, die das Außenlager in Hesepe betreibt, wies die in dem offenen Brief erhobenen Anschuldigung zurück. „Das ist dummes Zeug, was da behauptet wird, da ist in keinem Punkt was dran“, erklärte Behördenleiter Christiaan Lüttgau. Die Protestaktion sei vermutlich eine von außen gesteuerte Initiative“.
Hannover/Bramsche (hab)
