Neue Osnabrücker Zeitung vom 12.05.2006 zum Abschiebelager Bramsche

Hesepe als Modell

Innenminister Uwe Schünemann hat die Kritik an den Bedingungen in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge im Bramscher Ortsteil Hesepe zurückgewiesen. Hier werde im Gegenteil Arbeit mit Modellcharakter geleistet, betonte der Minister gestern zum Abschluss eines mehrstündigen Besuchs in Hesepe.

Klagen über das Essen und andere Dinge hörte sich Minister Schünemann gestern in Hesepe an. Nicht nur die zwölfjährige Fatma hatte das Ohr des Ministers.
Foto: Gert Westdörp
Beim Essen in der Kantine und später auch beim Rundgang hörte sich Schünemann auch die Klagen der Flüchtlinge an. Er erinnerte dabei an deren Status als abgewiesene Asylbewerber, die zur Ausreise verpflichtet seien. Die in Hesepe unternommenen Anstrengungen, die Flüchtlinge zu qualifizieren und so auf eine Rückkehr in ihre Heimat vorzubereiten, fand der Minister ebenso beispielhaft wie die dort eingerichtete Außenstelle der Heseper Schule.

Als Henry Albowsky, der Leiter dieser Außenstelle, den mitgereisten Journalisten aus Hannover erläuterte, die Kinder würden so unterrichtet, dass sie "später eine Zukunft in Deutschland haben", griff Schünemann korrigierend ein: Das sei als pä-dagogischer Ansatz, "völlig richtig", stehe inhaltlich aber "in totalem Gegensatz zu dem, was wir hier machen". Die Förderung der freiwilligen Ausreise sei nach wie vor das vorrangige Ziel der Gemeinschaftsunterkunft.

Der Leiter der Zentralen Aufnahme- und Ausländerbehörde, Christian Lüttgau, und der Leiter der Bramscher ZAAB-Außenstelle, Conrad Bramm, erläuterten beim Rundgang, wie den Flüchtlingen handwerkliche Fertigkeiten näher gebracht würden. Ansonsten wollten sie den Alltag authentisch wirken lassen. Den fand der Minister gar nicht überraschend: "Das ist schon so, wie ich mir das vorgestellt habe."

In der ZAAB Bramsche wohnen zurzeit 456 Menschen. Im vergangenen Jahr sind 117 Menschen freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt.