Bramscher Nachrichten vom 12.05.2006 zum Abschiebelager Bramsche
Minister bleibt ganz ruhig
Uwe Schünemann hat sich Arbeit in Hesepe so vorgestellt
Innenminister Uwe Schünemann hat schon mal gemütlicher gegessen. Beim Schlangestehen an der Essensausgabe und dann auch bei Tisch wird er bedrängt von Menschen, die ihm ihre Not nahe bringen wollen. Der oberste Dienstherr nahm sich gestern viel Zeit, um die Flüchtlingsunterkunft in Hesepe unter die Lupe zu nehmen.
Schünemann kommt nicht allein: Ihn begleiten Journalisten der Landespressekonferenz Hannover. Gut zwölf Redaktionen und das NDR-Fernsehen kommen mit nach Hesepe. "Das ist eine ordentliche Resonanz", freut sich Klaus Engemann, Pressesprecher des Innenministers. Die fortwährende Kritik an den Bedingungen im Lager hat die Journalisten neugierig gemacht.
Bei ihrer Ankunft werden sie auch gleich umringt von Flüchtlingen wie Michael Yakoub Hanu. Er werde bestraft, weil er in Hannover gegen die Bedingungen in Hesepe demonstriert habe."Ist das Demokratie?", fragt Hanu. Ihm seien die Leistungen gekürzt worden, weil er sich weigere, an der Aufklärung seiner Indentität mitzuwirken, sagt die Verwaltung.
Andere Flüchtlinge klagen über schlechtes Essen, unzureichende medizinische Betreuung und kleine Zimmer, die sich fünfköpfige Familien teilen müssten und das "alles verboten" sei. Schünemann hört sich alles ruhig an, ohne Zugeständnisse zu machen. Er weist die Flüchtlinge auf ihre Mitwirkungspflichten hin und darauf, daß ihr Asylverfahren abgeschlossen ist.
"Das Lager muß weg", skandiert ein einzelner Radfahrer, als der Tross über das Gelände spaziert. "Das ist ja nicht gerade die Masse, die hier protestiert", freut sich der Minister. Für ihn verfestigt sich im Laufe des Nachmittages der Eindruck, der Protest werde inszeniert. Ihn ärgert, daß Unterstützer außerhalb der Unterkunft die Situation zusätzlich verschärfen. Die Arbeit der rund 80 Landesbediensteten sei angesichts der vielen Kulturen und Schicksale, die in Hesepe aufeinander treffen, auch so schon schwer genug. Und sie werde so erledigt, wie er sich das vorstelle, sagt der Minister.
Und von der Qualität des Essens, die sooft bemängelt wird, hat sich der Minister ja persönlich überzeugt. "Ich liebe Nudeln, von daher war das schon genau richtig", kommentierte Schünemann das Tagesangebot von Rinderfrikadellen mit Ratatoulille-Gemüse und dazu wahlweise Nudeln, Kartoffeln oder Reis.
