Mutmaßlicher Anschlag: Osnabrücker Zeitung vom 6.7.

Anschlag auf Leiter des Bramscher Asylbewerberlagers

Seiner eigenen Aufmerksamkeit hat es der Leiter der Außenstelle Bramsche der Zentralen Aufnahme- und Ausländerbehörde (ZAAB), Conrad Bramm, zu verdanken, dass ein mutmaßlicher Anschlag auf seinen Privat-Pkw glimpflich ausgegangen ist. Wie erst jetzt bekannt wurde, hatten Unbekannte die Radmuttern am Reifen hinten links gelöst, um vorsätzlich einen Unfall zu provozieren.
Über das Ergebnis der bisherigen Ermittlungen hüllt sich die Polizei Osnabrück, der die Brisanz bekannt ist, in Schweigen. Den Sachverhalt bestätigte gestern der Leiter der Oldenburger ZAAB, Christian Lüttgau. Bramm machte als Beifahrer - seine Ehefrau saß am Steuer - auf der "Hansalinie" in der Nähe des Lotter Kreuzes ein anhaltendes, mahlendes Geräusch von hinten links stutzig.
Die Bramms brachen die Fahrt sofort ab und suchten die Werkstatt auf, die zwei Monate vorher die Sommerreifen montiert hatte. Da es sich auf den ersten Blick um eine Manipulation handelte, informierte Bramm Polizei und Vorgesetzte. Laut Lüttgau steht inzwischen fest, dass es sich um einen Anschlag handele, um den Leiter der Bramscher Außenstelle einzuschüchtern.
Offen sei, wo und wann die vier Radmuttern gelöst worden seien. Das Schadensbild lässt nach Angaben des ZAAB-Leiters Oldenburg durchaus den Schluss zu, dass der Kollege bereits mehrere Tage mit dem manipulierten Pkw gefahren sein dürfte. "Ein zeitlicher Zusammenhang wäre dann vielleicht zum No-Lager-Zeltcamp über Pfingsten gegeben", sagte Lüttgau.
Allerdings bat der Behördenleiter um Verständnis, sich an Spekulationen nicht beteiligen und die Ermittlungen abwarten zu wollen. Innenminister Uwe Schünemann habe jedenfalls schnell reagiert, als ihm der Vorfall vorgetragen worden sei, und seine Betroffenheit zum Ausdruck gebracht.
Ein Sprecher des Innenministers bestätigte gestern, Schünemann setze sich dafür ein, dass Bramm "aus polizeilicher Hinsicht die nötige Unterstützung" erfahre, um "kreativ und umsichtig" wie bisher seinerAufgabe in der Ausländer- und Flüchtlingspolitik nachzukommen.
Der Innenminister verurteilte darüber hinaus, dass Aktivisten des "No-Lager-Netzwerkes ZAAB-Mitarbeiter mit inakzeptablen "Hausbesuchen" und einer Flugblattaktion einzuschüchtern versuchten. Die Vorwürfe gegen die Bramscher Einrichtung entsprächen "in keiner Weise den Tatsachen".
Lüttgau berichtete weiter, dass die Belegschaft ihrer Empörung über die Angriffe Luft gemacht habe. Gemeinsam mit der Polizei seien präventive Maßnahmen ins Auge gefasst, um derartige Taten in Zukunft nach Möglichkeit zu verhindern; Einzelheiten dazu nannte der Behördenleiter allerdings keine.