Mittwoch, 6. Juni: Mittelpodium auf dem Alternativgipfel:

"We are here, because you are there ..." Über strukturelle Hintergründe von Flucht und Migration

Das Podium beginnt um 17.00 Uhr als Hearing und wird anschließend als Workshop von 20 bis 22 Uhr fortgesetzt – es findet statt in der „Bühne 602, Warnowufer 55, Rostock“ (den Ort am Tag selbst bitte nochmal klären!). Mit:

- Victor Nzuzi, Via Campesina, aus dem Kongo zu Ressourcenkriegen;
- Solange Koné, CADTM (Bündnis gegen Verschuldung), aus der Elfenbeinküste zur "Schuldenfalle";
- Amadou Mbow, AMDH (Menschenrechtsorganisation), aus Mauretanien zur Situation in der Fischerei an der westafrikanischen Küste;
- Gyeke Tanoh, Africa Trade Network, aus Ghana zu den (aktuell verhandelten) EPA-Abkommen;
- Maxim Butkevich, Noborder Kiew, aus der Ukraine zu Migrationshintergründen und dem Grenzregime in der Ukraine;
- Ngongang Celestin von der Flüchtlingsinitiative Brandenburg zu den Lebensbedingungen afrikanischer Flüchtlinge in Europa;
- Karl Kopp, Europareferent von Pro Asyl und im Vorstand des Europäischen Flüchtlingsrates (ECRE), zur Verzahnung der EU-Asyl- und Migrationspolitik mit wirtschafts- sowie entwicklungspolitischen Konditionen.

Kurzbeschreibung dieses Podiums:

Rohstoffkriege und Diktaturen, ökonomische Zerstörungen im Zuge von IWF/Weltbank-Programmen oder durch WTO und andere Freihandelsabkommen (Stichwort: EPA), ökologische Verwüstungen und zerfallende staatliche Strukturen ... gerade auf dem afrikanischen Kontinent sind die fatalen
Folgen der neoliberalen Globalisierung unübersehbar.
Diese Situation ist auch ein Hintergrund für die Flucht und Migration hunderttausender Menschen aus Afrika nach Europa.
Doch diese Flucht wird angesichts eines zunehmend militarisierten EU-Grenzregimes immer gefährlicher, 2006 ist das Jahr mit der höchsten Todesrate von afrikanischen Boatpeople in Mittelmeer und Atlantik. Gleichzeitig wurden die scharfen Schengenstandards im Zuge der
EU-Erweiterungen 2004 und 2007 immer weiter nach Osten verschoben. Nicht zufällig ist die Ukraine mittlerweile zum Vorhof und einem neuen Brennpunkt der EU-Lager- und Abschiebepolitik geworden. Wer es dennoch schafft, "illegalisiert" nach Europa zu gelangen, ist hier mit rassistischer Ausgrenzung, mit Ausbeutung in Niedriglohnsektoren und immer drohender Abschiebung konfrontiert. Rückübernahmeabkommen werden durch wirtschaftlichen Druck der EU-Staaten erzwungen, sowohl gegenüber den osteuropäischen wie auch den afrikanischen Regierungen.
All diesen Realitäten zum Trotz soll auf dem kommenden G8-Gipfel in Heiligendamm u.a. eine "Reformpartnerschaft mit Afrika" zur Schau gestellt werden. Zu erwarten sind einige karitative Versprechen wie seinerzeit die völlig folgenlose und obendrein lächerliche Schuldenstreichung auf dem G8-Gipfel in Schottland, und die vor allem dazu dienen, von der genannten strukturellen Ausbeutung, von der in erster Linie die G8-Staaten profitieren, abzulenken. Das Podium wird AktivistInnen aus verschiedenen Initiativen und Projekten in osteuropäischen und vor allem in afrikanischen Ländern mit selbstorganisierten Flüchtlingen in Europa zusammenbringen, die jeweils hier wie dort um ihre Rechte kämpfen. Über Teilbereichsaspekte hinaus werden zentrale Forderungen aus dem globalen Süden eine Stimme
bekommen, aus verschiedenen Perspektiven sollen die Verantwortlichkeiten der globalen Ausbeutung und Ausgrenzung benannt und konkrete Alternativen
im Sinne globaler sozialer Rechte aufgezeigt werden.