Rede eines nordafrikanischen Flüchtlings auf der Auftaktdemo am 2. Juni 2007
Vorbemerkung: R.H., 34, stammt aus Algerien. Er lebt seit über 8 Jahren als geduldeter Flüchtling in Deutschland. Auf der Auftaktkundgebung des westlichen Zuges der Großdemonstration am 2. Juni in Rostock sprach er als Vertreter der Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern. Es war eine gemeinsame Entscheidung der Flüchtlinge, die Rede erstens in deutsch zu halten sowie zweitens zu grammatikalischen Schnitzern und der gleichen mehr zu stehen. Auf diese Weise sollte dem Umstand Ausdruck verliehen werden, dass Flüchtlinge zwar Teil der deutschen Gesellschaft sind (und deshalb durchaus eine Rede in deutsch halten können), dass umgekehrt jedoch die Aneignung der deutschen Sprache meist unter äußerst widrigen Bedingungen erfolgt.
Guten Tag, liebe Freunde, liebe Freundinnen, liebe Brüder und Schwestern,
im Namen der Flüchtlinge in der ganzen Welt demonstrieren wir heute gegen die Politik der G8-Länder und das kapitalistische System. Als betroffene Menschen wollen wir euch informieren über unser Situation in dieser Welt. Wir leben unter Gesetzen von Diskriminierung, Kriminalisierung und Rassismus. Überall in dieser Welt, an den Grenzen von Europa bis zu Grenze zwischen Mexico und der USA leiden die Flüchtlinge. Sie sind nicht willkommen. Freunde und Freundinnen, Brüder und Schwestern, die Mittelmeer ist ein Friedhof geworden. Überall Leichen von Flüchtlinge und wer schafft, nach Europa zu kommen, landet in einer Welt von Abschiebeterror, rassistische Polizeigewalt, Lager, Arbeitsverbot oder extrem Ausbeutung.
Ich möchte euch gern Beispiel aus Deutschland geben – ich möchte euch informieren, dass die meisten von uns dürfen nicht auf dieser Demo sein wegen Residenzpflicht. Das heißt: Wir sind Gefangene in unser Landkreis. Und wir dürfen reisen nur mit Reiseerlaubnis von der Ausländerbehörd.
Ich möchte auch über die Thema Lager reden. Ich hab 5 Jahre von meinem Leben im Dschungelheim verbracht. In ein Ort, wo keine Möglichkeit gibt, mit der Gesellschaft zu tun zu haben. Ungefähr 10 Kilometer von ein Kleinstadt entfernt. Ich hab diese Gefühl gehabt, dass wir sind Tier geworden. Ich bin ein Alkoholiker geworden, andere sind verrückte geworden.
Und wer diese Situation nicht akzeptiert und er möchte in eine große Stadt sein, er muss versuchen, eine Schwarzarbeit zu finden oder er landet in die Kriminalität. Ich war auch Dieb gewesen. Deswegen war ich dreimal im Knast.
Und ich möchte noch ein Beispiel geben über die Polizeigewalt in Deutschland. Oury Jalloh, meine Freunde und FreundInnen, er war eine Flüchtlinge aus Sierra Leone. Vor zwei Jahren war er verhaftet von Dessau-Polizei. In der Polizeizelle war er gefesselt von der Hände und der Beine. In dieser Nacht ist er verbrannt. Oury Jalloh ist tot. Sie behaupten, dass war eine Selbstmord gewesen, aber die Frage ist, wenn man gefesselt ist, wie kann man eine Feuer erzeugen und warum hatte die Polizei die Feueralarm zweimal ignoriert. Es gibt im Moment eine Gerichtprozess, wo diese Fragen versucht sollen zu klären. Aber wir sagen, das war ein Moord, das war ein Moord.
Aber heute wir wissen, dass die Grund unserer Situation ist der Politik der Herrschenden in dieser Welt. Sie behaupten, dass sie wollen der so genannten Dritte Welt helfen. Aber wir sagen heute, wie kannst du diese Länder helfen und gleichzeitig zerstörst du diese Länder? Wie kannst du helfen und du bist selber schuld in die Krieg in diese Welt mit deiner Waffenindustrie? Wie kannst du helfen und gleichzeitig unterstützt du die Diktatur in diese Länder? Wie kannst du helfen und du denken nur an dein Kapital und deine Wachstum? Wie kannst du helfen und du terrorisieren die Flüchtlinge von diese Länder?
Deswegen, liebe Freunde und Freundinnen, alles Flüchtlinge aus diese Welt wir erwarten kein Ergebnis von dieser G8-Gipfel. Weil Kapitalismus heißt Rassismus – und wir brauchen Solidarität. Weil Kapitalismus bedeutet Krieg – und wir brauchen Frieden. Weil Kapitalismus heißt Ausbeutung und wir brauchen Gerechtigkeit.
Im Namen aller Flüchtlinge auf dieser Welt wir sagen heute, dass wir sind frei geboren und wir bleiben frei. Niemand hat Recht, unser Freiheit zu beschränken. Deshalb fordern wir, dass ihr uns für unser Kampf unterstützt – bis alle Menschen gleich viel wert sind und bis alle Menschen die gleiche Rechte haben auf dieser Erde.
Dankeschön!
