tramm/peeschen

Demokratisches "Ausländer raus!"(Dschungelheim-Debatte in Meck.-Vorpomm.)

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(2001-2004)

Zur Diskussion um Flüchtlingsheime in Mecklenburg/Vorpommern

Eine Dokumentation

Interessierte können sich auf www.lobbi-mv.de/heimdisk/ab sofort einen Überblick von den Diskussionen um die Verlegung von AsylbewerberInnen in Mecklenburg/Vorpommern verschaffen.

Anti-Lager-Action-Tour: Infos zu Parchim-Tramm / Mecklenburg-Vorpommern (2004)

Die Gemeinschaftsunterkunft Tramm/Zapel im Landkreis Parchim gehört zur Gruppe der berühmt berüchtigten "Dschungelheime" im SPD/PDS-regierten Mecklenburg Vorpommern. Das ursprünglich aus dem Behördenjargon stammende und mittlerweile von Flüchtlingen kritisch aufgegriffene Bild des "Dschungelheims" bringt die Situation in Tramm absolut treffend auf den Punkt: Isoliert mitten im Wald leben dort in drei heruntergekommenen Wohnblöcken einer früheren NVA-Kaserne über 200 Flüchtlinge - die Mehrheit von ihnen aus afrikanischen Ländern. Das gesamte Lager (inklusive eingestürtzter Hallen und Bunkeranlagen) ist videoüberwacht und von einem Stacheldrahtzaun umgeben. Ein angeketteter Schäferhund ‚begrüsst‘ die Ankommenden; der Sicherheitsdienst kontrolliert das Geschehen rund um die Uhr. Die Personalien von BesucherInnen werden systematisch festgehalten. Der nächst gelegene Ort mit Einkaufsmöglichkeiten ist das 9 km entfernte Crivitz. Für den einmal (bzw. in Schulzeiten zweimal) täglich verkehrenden Linienbus reicht das Geld meist nicht aus; insbesondere im Winter macht das die Situation äußerst prekär.

Einladung zur Teilnahme an der Verlegung des Dschungelheims Tramm in die Stadt Parchim

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Wir, die Flüchtlinge des Landkreises Parchim, rufen
allen AktivistInnen, Medien, Organisationen,
PolitikerInnen und UnterstützerInnen auf, unseren
Umzug nach Parchim zu begleiten. Wir kommen aus dem
Dschungel, wo wir viele Jahre lang mit wilden Tieren
gelebt haben – getrennt von Menschen, ausgeschlossen
von der Gesellschaft, diskriminiert von den Behörden.
Durch Selbstorganisierung und Widerstand haben wir es

Arg abgeschieden

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Mit dem Umzug der Flüchtlingsunterkunft Tramm-Zapel
schließt eines der letzten Dschungelheime in
Mecklenburg-Vorpommern. Auf dem Weg in die Stadt wurde
gegen die Heimleitung protestiert

Aus Tramm-Zapel Anke Schwarzer (2004)

Zwischen Birken, Buchen und einer überwucherten
Raketenstation liegt die Flüchtlingsunterkunft
Tramm-Zapel. Auf dem ehemaligen Kasernengelände der

Zurück zur Natur

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Asylsuchende in den neuen Bundesländern wurden gern in »Dschungelheimen« fernab jeglicher Infrastruktur untergebracht. Weil weniger Menschen nach Deutschland kommen, sind viele der Sammelunterkünfte inzwischen geschlossen. von martin kröger (text) und tim zülch (fotos): 2005

Dschungelheime in Mecklenburg Vorpommern

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Karawane Nord (2004)

"Wir sind keine Tiere"
In Mecklenburg-Vorpommern werden Flüchtlinge weiterhin im Wald interniert.

Seit über zehn Jahren kämpfen Flüchtlinge für die Verbesserung ihrer unerträglichen Lebenssituation im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern besonders im Landkreis Parchim. Es schien, als würden einige kleine Verbesserungen erreicht. Im Jahr 2003 verkündete die Landesregierung des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, daß die Isolierung von Flüchtlingen in den sogenannten Dschungelheimen ein Ende habe. Die Unterbringung in baufälligen Baracken oder Kasernen tief im Wald versteckt, Kilometer weit entfernt von der nächsten Ortschaft, sollte beendet werden. Das diskriminierende System der Wertgutscheine, die statt Bargeld an Flüchtlinge ausgegeben wurden, sollte ebenfalls der Vergangenheit angehören. Was die SPD/PDS Landesregierung vollmundig in der Öffenlichtkeit verbreitete, entpuppt sich als dreiste Lügen. Seit letztem Sommer warten die ca. 100 Flüchtlinge aus dem berüchtigten Dschungelheim Peeschen, welches vor allem durch die vielen Aktivitäten und Proteste des bekannten Streiter für die Menschenrechte und Aktivist der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen, Akubuo A. Chukwudi, bekannt wurde, auf die Schließung des abrißreifen Barackenlagers. Die Wohn- und Lebenssituation im Dschungelheim Peeschen ist dazu gedacht, Menschen nachhaltig psychisch und physisch krank zu machen. Füchse, Rehe, Wildschweine und anderes Getier sind die einzigen Nachbarn. Der Regen und die Kälte dringt durch undichte Dächer und Wände in die Baracken. Immer wieder kommt es zu stundenlangen Stromausfällen. Sanitäre Anlagen und Kochgelegenheiten sind in katastrophalen Zustand. Das Leitungswasser ist eine milchige, zum Trinken und auch zum Waschen nicht geeignete, Brühe. Die Abwässer laufen offen hinter den Baracken in den Wald. Es gibt keine öffentlichen Verkehrsmittel. Jeder Weg, zum Einkauf, zum Arzt oder zur Behörde ist eine Strapaze. Die Hoffnung für die Menschen in Peeschen, daß sich dieser Zustand nach mehr als zehn Jahren ändert, hat sich zerschlagen. Im Herbst 2003 hieß es noch, sie kämen in einen leerstehenden Plattenbau mit Verkehrsanbindung, Einkaufsmöglichkeiten und deutschen Nachbarn in der Nähe am Rand der Ortschaft Dabel. Doch angeblich verweigerte der Bürgermeister des Dorfes seine Zustimmung. Mitte Januar tauchten Behördenmitarbeiter im Dschungelheim Peeschen auf und teilten den Bewohnern mit innerhalb von 4-5 Tagen ihre Sachen zu packen. Sie würden nächste Woche abgeholt und nach Tramm gebracht. Wütend blockierten die Flüchtlinge den Waldweg und forderten, daß diese Entscheidung zurückgenommen wird. Die Behördenvertreter riefen die Polizei, die ihnen dann den Weg freimachte. Tramm ist das zweite Dschungelheim im Landkreis Parchim. Es ist eine ehemalige NVA Kaserne, die ebenfalls ohne Nahverkehrsanbindung zehn Kilometer vom nächsten Ort entfernt im Dschungel von Mecklenburg-Vorpommern liegt. Dort sind ca. 400 Flüchtlinge untergebracht. Die drei Wohnblöcke und einige halbeingestürzte Schuppen sind von Draht umzäunt, am Eingangstor sitzten zwei Wachmänner, die jeden Besuch kontrollieren und die Personalien aufnehmen. Viele der Flüchtlinge in Tramm erhalten auch weiterhin statt Bargeld nur Wertgutscheine, die angeblich in Mecklenburg-Vorpomern abgeschafft wurden. Hinter den Wohnblöcken liegen Bunkeranlagen und Schrott aus den Zeiten als der Ort noch vom Militär genutzt wurde. Die Bewohner haben Angst. Sie wissen nicht, ob und welche Gefahrenstoffe, Chemikalien, Munition, Blindgänger, etc dort noch liegen. Auch herrscht in trockenen Sommern Angst vor Waldbränden, denn Tramm ist genauso wie Peeschen eine Lichtung umschlossen von dichtem Wald. Kommt es dort zum Waldbrand, gibt es für die Menschen dort wenig Chancen. Auch hier ist das Schlimmste die totale Isolation. Bei einem Besuch einer Delegation der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen versammelten sich die meisten der dort lebenden Frauen, Männern und Kindern vor den Wohnblocks und skandierten: "No more Tramm!" Einige hielten Schilder hoch mit Aufschriften: "Ich hab genug vom Wald, weil ich kein Tier bin!", "Scheiß Tramm, wir sind keine Tiere" oder "Du darfst nicht mit Deutschen wohnen, weil du Ausländer bist!" Die Flüchtlinge aus den Dschungelheimen in Tramm und in Peeschen haben sich jetzt zusammengeschlossen und erklären, daß sie bis zur Schließung beider Lager kämpfen werden. Sie fordern entweder eine Gemeinschaftsunterkunft in einer Stadt oder die Erlaubnis sich Wohnungen zu suchen. Sie klagen die Regierung und die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern und im Landkreis Parchim an, ihr Leben und das Leben ihrer Kinder aufs Spiel zu setzten. 100% staatlicher Rassismus versteckt und präsentiert sich in den Wäldern der Mecklenburger Seenplatte.

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