deutsches lagersystem/german camp system

Ausreisezentren und ihre Hybriden

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Maria Wöste (2004)

Lagerpolitik in Zeiten des sozialen Angriffs

"Sie bestreiten Ihren Lebensunterhalt aus öffentlichen Mitteln und stellen dadurch ... eine besondere Belastung für das Land dar". Dieser Satz ist (noch) kein Textbaustein aus künftigen Briefen an die BezieherInnen von Arbeitslosengeld II, mit denen ihnen beispielsweise die Kürzung oder die Auszahlung ihrer Leistungen in Gutscheinen angekündigt wird. Aber dieser Satz könnte genau so dort stehen. Im Kampf um die Hegemonie in den Köpfen erleben wir zur Zeit eine Umdefinition von Begriffen wie "Solidarität" und "soziale Gerechtigkeit"; zuerst an Flüchtlingen erprobte Argumentationen und die Unterstellung, das Sozialsystem zu missbrauchen, werden dabei auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen. In der letzten Neujahrsansprache des Bundeskanzlers liest sich das so: "Das schaffen wir nur, wenn jede Bürgerin, wenn jeder Bürger durch sein Verhalten beiträgt, die Kosten im Rahmen zu halten. Verschwendung, Ausbeutung und Betrug im Gesundheitssystem schaden uns allen!"

Globales Lagersystem stoppen

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Gregor Samsa (2003)

Aktionstage gegen das Abschiebelager Nürnberg/Fürth

Der Schlussakkord im diesjährigen Camp- und Gipfelsommer wird in Bayern ertönen. Verschiedenste Gruppen aus dem antirassistischen Spektrum rufen auf zu Antilager-Aktionstagen zwischen dem 11. und 14. September in Nürnberg/Fürth. Aufhänger ist das dortige sogenannte Ausreisezentrum, gegen das sich seit seiner Eröffnung im Oktober 2002 massiver Protest regt.

Stop the global camp system

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Gregor Samsa (2003)

Action days against the deportation camp Nürnberg/Fürth

The final chord of this year’s summer of camps and summits will sound in Bavaria. Different groups of the antiracist spectrum are calling for anti-camp-action-days from the 11th until the 14th of september in Nürnberg/Fürth. The peg to hang the action days on is the so-called Ausreisezentrum ('exit centre') there, against which there has been massive protest since it was opened in october 2002.

Das dezentrale Lagersystem für Flüchtlinge

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Tobias Pieper (2004) als pdf lesen

Scharnier zwischen regulären und irregulären Arbeitsmarktsegmenten

Tobias Pieper (2004)

Das dezentrale Lagersystem für Flüchtlinge – Scharnier

Von Neumühlen bis Nauru: Lagerpolitik in Deutschland und weltweit

Bündnis gegen Ein&AusreiseLager Hamburg (2004)

Lager als weltweiter Trend zur Entrechtung von Menschen auf der Flucht: "Zentrale Erstaufnahme-Einrichtung" in Hamburg - "Ausreisezentren" in Deutschland - EU-Lager(pläne) - "Heimatnahe Reservate"

Theses about the decentralized camp system in Germany

Tobias Pieper (2004)

The system of accommodation for refugees in Germany can be described as institutionalized legal system of discrimination and of intended reduction of the standard of living. As such it is a system of forced social disintegration. In addition to the de facto exclusion from the labor market and the payment of the thereby necessary (and also cut) welfare in non-cash benefits, the accommodation of refugees in decentral asylums is the foundation of areal exclusion and banishment. The decentralized accommodation system in Germany consists of decentral small camps that are half-open - meaning the refugees can always vanish into illegality - which are connected to each other by a management system. There are different degrees of repression by accommodation, for example pensions in big cities, facilities in the middle of forests, where the refugees have to share rooms, the new deportation camps and deportation prisons. In total, one million people are living in these facilities. The basic structure of this camp system is the “Residenzpflicht”. By fragmentation of space and restraining refugees in administrative districts the single camp becomes part of the repressive camp system. This way, the system methodically excludes people who are not economically useful by oppressing them, which always implies the threat of deportation.

Thesen zum dezentralen Lagersystem in Deutschland

Tobias Pieper (2004)

Das Unterbringungs- und Versorgungssystem für Flüchtlinge in der BRD lässt sich als institutionalisiertes rechtliches System der Ausgrenzung und der gewollten Herabsetzung des sozialen Lebenstandart beschreiben, als System der forcierten gesellschaftlichen Desintegration. Neben dem de facto Ausschluss vom regulären Arbeitsmarkt und der Auszahlung der dadurch nötig werdenden (gekürzten) Hilfe zum Lebensunterhalt in Form von Sachleistungen ist die Unterbringung in dezentralen Heimen zentrales Moment der räumlichen Ausgrenzung und Verbannung. Das Spezifische an den bundesdeutschen Lagern ist, dass es nur als dezentrales Lagersystem fassbar wird. Zum System werden die einzelnen Unterbringungsstätte durch die Kombination halb offener - die Menschen können immer in die Illegalität abtauchen - dezentraler Kleinlager, die durch ein Verwaltungssystem verbunden sind und in sich nach Abstufungen der Repressionen klassifizierbar sind, also von der Pension in der Großstadt, über die Gemeinschaftsunterkunft verlassen im Wald, den neuen Ausreisezentren und den Abschiebeknästen. Insgesamt fasst das dezentrale Lagersystem der BRD fast eine Millionen Menschen. Zentrale Grundstruktur des Lagersystems ist die Residenzpflicht, erst durch die Zerteilung des Raumes und dem räumlichen Festhalten der Menschen in den Landkreisen wird das einzelne Heim zum Teil des Lagersystems. Es ist also eine repressive Struktur, deren räumliche Ausformung das einzelne (Flüchtlings-)Lager ist, als Gesamtsystem bedeutet es eine Ausgrenzungsstruktur ökonomisch nichtverwertbarer Menschen an durch die Residenzpflicht eingegrenzten Orten mit unterschiedlichen Repressionsgraden, an deren Ende immer die potentielle die Abschiebung und damit der völlige Ausschluss aus der BRD steht.

Die Bundesrepublik als Lagergesellschaft

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Stephan Dünnwald (2002)

Im neuen Gesetzesentwurf der Rot-Grünen Bundesregierung zur Zuwanderung ist die Einrichtung von Ausreisezentren geplant. In einigen Bundesländern sind solche Zentren schon eingerichtet und erprobt worden, deren Ziel es ist, „die Bereitschaft zur freiwilligen Ausreise zu fördern und die Beschaffung von Heimreisedokumenten zu beschleunigen“ (Pressestelle Bundesministerium des Inneren). Wieder mal ein neues, euphemistisch umschriebenes Abschreckungsinstrument. Mit den sogenannten Ausreiseeinrichtungen entstehen wieder neue Lager in Deutschland, in denen ein Teil der Bevölkerung auf entwürdigende Weise einer Sonderbehandlung unterworfen wird, ausgeschlossen von der Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, separiert von der ‘normalen’ Wohnbevölkerung. Der Begriff des Lagers ruft hässliche Assoziationen an nationalsozialistische Zwangsarbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslager hervor. Mit der Gründung der Bundesrepublik schworen die politisch Verantwortlichen alles zu tun, dass sich die Geschichte nicht wiederhole. Doch auch für die Bundesrepublik sind Lager kennzeichnend. Wenn nun neue Lager geplant werden, lohnt ein Blick in die Geschichte der Bundesrepublik, um die Kontinuität wahrzunehmen, mit der auch in der jüngeren Vergangenheit Migrantinnen und Migranten in Lager gesteckt wurden.

Residenzpflicht & soziale Isolation

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Während der gesamten Dauer ihres
oft langjährigen Asylverfahrens dürfen
Flüchtlinge den ihnen zugewiesenen
Landkreis nur mit schriftlicher
Erlaubnis der Behörden verlassen.

Lager machen Asylanten krank

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Kai Schöneberg (2004)

Studie: Asylsuchende leiden in deutschen Sammelunterkünften
unter Kopfschmerzen, Herzbeschwerden oder Lethargie. Im Visier
der Kritiker: das Abschiebelager in Bramsche

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